Zwei Personen mit Schutzhelmen zeigen auf Windkraftanlagen in hügeliger Landschaft bei Sonnenuntergang.Zwei Personen mit Schutzhelmen zeigen auf Windkraftanlagen in hügeliger Landschaft bei Sonnenuntergang.

Grüner Wasserstoff für die Region: Projekt Schlafender Riese in Lichtenau

Aus Überschussenergie lokaler Windkraftanlagen soll in Lichtenau mit Hilfe eines 10-Megawatt-Elektrolyseurs grüner Wasserstoff für Industrie, Mobilität und Wärme erzeugt werden. Der Projektname “Schlafender Riese” geht auf eine rund sechs Kilometer lange Hochdruckleitung in Lichtenau zurück. Die ehemalige Erdgasleitung wird technisch umgerüstet und künftig als Wasserstoffspeicher genutzt. Das vom Land Nordrhein-Westfalen mit 11,2 Mio. Euro geförderte Projekt verbindet die Erzeugung, Speicherung und Nutzung von grünem Wasserstoff und ist damit ein Vorzeigeprojekt für eine integrierte Energiewende.

Mehrere Windkraftanlagen stehen auf einem grünen Feld bei tiefstehender Sonne und werfen lange Schatten.
Dominierende regenerative Stromerzeugung

Ideale Modellregion für eine ganzheitliche Energiewende

Lichtenau gehört zu den windstärksten Regionen in Nordrhein-Westfalen. An vielen Tagen erzeugen die Windenergieanlagen mehr Strom, als direkt genutzt oder über die bestehenden Netze transportiert werden kann. Ein Teil dieser erneuerbaren Energie bleibt deshalb bislang ungenutzt. Genau hier setzt der “Schlafende Riese” an.

Mit dem Projekt entsteht in Lichtenau ein regionaler Wasserstoff-Hub, der 

  • überschüssige Windenergie in grünen Wasserstoff umwandelt, 
  • speichert 
  • und für verschiedene Anwendungen nutzbar macht.

So bleibt die erneuerbare Energie als Wertschöpfung in der Region.

Porträtbild von Christian Debowicz vor unscharfem Bürohintergrund
Als Pilotprojekt zur Erzeugung von grünem Wasserstoff soll die Anlage die Wasserstoffwirtschaft in der Region stärken und erste Marktstrukturen etablieren. Darüber hinaus vermittelt sie erste wichtige Erkenntnisse über die eingesetzte Technik und den Betrieb einer solchen Anlage. Christian Debowicz,
Projektleiter bei Westfalen Weser

So funktioniert das Projekt

  1. Energieerzeugung
    Lokale Windkraft- und Photovoltaikanlagen produzieren große Mengen an erneuerbarer Energie.
  2. Wasserstofferzeugung in Lichtenau
    Im Zentrum steht ein 10-Megawatt-Elektrolyseur in Containerbauweise, der ab 2027 den überschüssigen Strom aus Wind- und Solarenergie in Wasserstoff umwandeln soll. Dieser wird verdichtet und in einer umgerüsteten Gashochdruckleitung gespeichert. Mit rund einem Meter Durchmesser, einem Betriebsdruck von bis zu 100 bar und Platz für etwa 30 Tonnen Wasserstoff kann sie überschüssigen Strom effizient puffern. 
  3. Transport
    Der produzierte Wasserstoff wird in Trailer für den Weitertransport abgefüllt.
  4. Anwendung im Großraum Paderborn
    An Industrie- und Mobilitätsstandorten in der Region kommt der Wasserstoff anschließend zum Einsatz. Auch die Nutzung der Abwärme des Elektrolyseurs wird geprüft.

Die Besonderheit des Schlafenden Riesen: Der Lichtenauer Elektrolyseur kann flexibel produzieren. Wenn viel Windstrom verfügbar ist, wird Wasserstoff erzeugt, gespeichert und erst bei Bedarf wieder entnommen - ein intelligentes System, das Stromüberschuss in Wert für die Region verwandelt. Auch unterscheidet sich das Projekt damit deutlich von vielen On-Site-Anlagen, die Wasserstoff direkt an einen einzelnen Abnehmer liefern.

Regionale Wertschöpfung

Energie für mehrere Sektoren

Von dem Projekt profitieren gleich drei Sektoren:

  • In Hochtemperaturprozessen in der Industrie ersetzt er langfristig fossile Energieträger, wo elektrische Lösungen an Ihre Grenzen kommen.
  • Im Mobilitätssektor eröffnet Wasserstoff neue Möglichkeiten für Nutzfahrzeuge oder kommunale Flotten - zunächst flexibel transportiert per Trailer zu Tankstellen und Abnehmern.
  • Gleichzeitig wird die Nutzung der Abwärme des Elektrolyseurs für ein künftiges Nahwärmenetz in Lichtenau geprüft.
  • Über die umgerüstete Gashochdruckleitung ist ebenfalls eine Einspeisung ins Erdgasnetz denkbar.

     

Ein großer Industriebetrieb mit Fabrikhallen wird zuverlässig von energietechnischen Anlagen versorgt.
Porträtbild von Steve Flechsig vor unscharfem Bürohintergrund
Dadurch verbindet der "Schlafende Riese" Strom, Wärme und Mobilität zu einem integrierten Energiesystem und zeigt zugleich, wie das transformierte Gasnetz zum Werterhalt bestehender Infrastruktur beiträgt. Steve Flechsig,
Geschäftsführer Wasserstoff Lichtenau GmbH & Co. KG